Konvoifahren


Für den Begriff «Konvoifahren», der für das Fahren in einem Pulk mit mehreren Motorrädern steht, könnte alternativ auch «Fahren in der Gruppe», oder «Gruppenfahren» verwendet werden. Das tönt aber irgendwie nach Gruppentherapie.
Die wichtigsten Ziele vom Motoaktiv beim Konvoifahren sind:

- Kein Mitfahrer, keine Mitfahrerin im Konvoi soll auf unseren Ausfahrten verloren gehen, jeder soll mit uns auf dem Weg bleiben.
- Wir bilden auf unseren Ausfahrten einen geschlossenen, kompakten Konvoi.

Und dies geschieht im Wesentlichen so:
Der Road Captain zeigt bei allen Kreiseln, Kreuzungen, sonstigen Verzweigungen sowie Ein- und Ausfahrten von Autostrassen und Autobahnen dem jeweils ersten Motorradfahrer nach ihm frühzeitig durch das Hochhalten des Armes - mit dem Zeigefinger Richtung Himmel - an, dass er da stehen bleiben muss und als «Wegweiser» die von den nachfolgenden Töffs zu fahrende Richtung durch klare Handzeichen anzeigen muss, bis der Schlussfahrer kommt. Keinesfalls darf diese Position vorher verlassen werden. Der Fahrer des Schlussmotorrads ist immer derselbe.
Er wird vor der Fahrt den Teilnehmern vorgestellt. Natürlich in voller Montur und mit Motorrad.
 
Der erste Motorradfahrer, der direkt nach dem Road Captain fährt, soll ihm nicht zu nahe aufschliessen, denn letzterer braucht auch ein wenig Zeit und Freiraum, um zu sehen, wo er durchfahren muss und um zu planen, wo er den Wegweiser platzieren will. Der Road Captain ordnet danach diesem ersten Mitfahrer mit klaren Handzeichen den genauen Ort für das Anhalten an. Und dieser Ort ist bei Kreiseln in der Regel links beim «Spickel» der Kreiselausfahrt und bei allen anderen in der Regel rechts am Strassenrand. Wer an seinem Motorrad einen Warnblinker hat, schaltet ihn sofort ein, sobald er weiss, dass er demnächst anhalten muss. (Aber keinesfalls nach links oder rechts blinken, das kann falsch verstanden werden! Wer keinen Warnblinker hat, soll also nicht blinken, sobald er seine Position eingenommen hat.) Nach dieser Aktion als Wegweiser schliesst man hinten am Konvoi, aber noch vor dem Schlussfahrer auf. Man überholt also den Konvoi nicht.
Jeder Biker muss trotz dem Wegweiser selber schauen, ob er den Kreisel oder die Verzweigung passieren kann, ob die Strasse also frei ist für ihn. In einem geschlossenen Konvoi dürfte zwar kein anderer Verkehrsteilnehmer hineinfahren, aber dies passiert trotzdem. Als Konsequenz sollten dann unsere Betroffenen diesen Verkehrsteilnehmer (meistens sind es Autos) bei Gelegenheit überholen, um wieder einen kompakten Konvoi zu bilden.  Kurzstopp: Zusätzlich hält der Road Captain gelegentlich - z.B. zwischen den offiziell angekündigten Pausen, oder wenn er feststellt, dass der Konvoi auseinander gefallen ist - an geeigneten Stellen (z.B. auf grossen Parkplätzen) kurz an, um den Konvoi wieder zusammenschliessen zu lassen.
 
Der Road Captain
- Er bestimmt die Route, die Pausen, die Tankhalte und den Schlussfahrer.
- Er nimmt mit einer angepassten Fahrweise Rücksicht auf langsamere (ungeübte) Fahrer und berücksichtigt - soweit möglich - die aktuelle Verkehrs- und Wettersituation.
- Er positioniert die Wegweiser an jeder Kreuzung oder Verzweigung und bei jeder Kreiselausfahrt. Zur Richtungsweisung setzt der Road Captain den jeweils gerade unmittelbar hinter ihm fahrenden Biker als temporären Wegweiser ab. Im Zweifelsfall stellt der Road Captain immer einen Wegweiser auf, auch wenn es manchmal nicht zwingend erforderlich oder logisch erscheint. Damit wird sichergestellt, dass niemand verloren geht. Randbemerkungen: Als erster Fahrer nach dem Road Captain nicht zu nahe auf ihn aufschliessen, sondern nur so, dass man sehen kann, wo man stehen bleiben soll, um die Richtung zu zeigen. Der Road Captain hat wortwörtlich «alle Hände voll zu tun», wenn es auf eine Kreuzung, einen Kreisel oder auf eine sonstige Verzweigung losgeht. Er sollte nämlich nicht nur die Kupplung und den Gasgriff bedienen, sondern erstens selber sehen und sicher sein, wo er durchfahren muss, zweitens durch hochhalten des Armes (und Zeigefinger nach oben) anzeigen, dass jetzt dann gleich ein Biker als Wegweiser stehen bleiben muss und drittens kurz danach diesem Biker noch zeigen, wo genau er stehen bleiben soll. Das ist anspruchsvoll, klebt dem Road Captain deshalb nicht am Hinterrad! Und dann sollte auch der übernächste Fahrer nicht zu nahe auf jenen Fahrer aufschliessen, der dann anhalten muss, denn auch der muss ja seinem Standort als Wegweiser erst mal «einrichten». Wir haben ja (noch) keine Automatengetriebe, also braucht das ein wenig Zeit, um den Warnblinker einzuschalten, das Getriebe ins Null zu schalten oder den Motor abzustellen. Den Warnblinker kann man allerdings bereits dann sofort einschalten, wenn der Road Captain angezeigt hat, dass man daran ist, stehen zu bleiben, um die Richtung anzuzeigen.

- Tagesetappen: «Weniger ist mehr». Gemeint sind die Tageskilometer und die Geschwindigkeit. Tagesetappen bei einer eintägigen Ausfahrt von etwa 250 km haben sich bewährt, maximal 350 km wie beim Alpenklassiker (mit vier Pässen) liegen auch noch knapp drin, bringen aber einen Konvoi mit 20…25 Teilnehmern bereits an die Leistungsgrenze.
Eintagestouren mit 200 km auf kleineren (Neben-)Strassen in einer schönen Gegend und genügend Boxenstopps - vielleicht auch Mal aufgelockert mit einer Besichtigung - sind herrlich. Bei mehrtägigen Ferien-Ausfahrten gilt folgendes: Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass er innerhalb von acht Reisestunden wohl kaum mehr als vier Betriebsstunden absolviert, insbesondere in landschaftlich attraktiven Gegenden, in denen vielleicht auch noch kleine kurvenreiche Strassen die Strecke bestimmen. Deshalb das Tagespensum nicht zu hoch ansetzen: Innerhalb von vier Fahrstunden beispielsweise kommen bei einem 50-km/h-Durchschnitt (in Küsten- oder Gebirgsregionen durchaus respektabel) nicht mehr als 200 km zusammen.
Sind die Tagesetappen sehr gross und die Übernachtungsmöglichkeiten vorgebucht, kann das Unfallrisiko erheblich ansteigen.
 
Die Biker
- Versetztes Fahren in zwei Linien: Durch das versetzte Fahren entsteht ein optimaler Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Teilnehmern und die Gruppenlänge wird markant verkürzt. Der Road Captain, auch «Konvoi-Führer» genannt, fährt in der Mitte der Strassenhälfte. 

Bei langsamer Fahrt, insbesondere innerorts, fährt man mit einem Abstand von zirka 10 m nach vorne und hinten.
Ausserorts mit 80 km/h auf etwa 20 - 30 m erhöhen. Abstand unbedingt immer der Situation anpassen!
- Lücken schliessen: Entsteht in einer der Linien eine Lücke, so wird diese von hinten aufgefüllt und nicht seitwärts aus der anderen Linie.
Wer also in der linken Linie fährt, bleibt in seiner linken Linie. Und wer in der rechten Linie fährt, bleibt in der rechten Linie.
- Anhalten: Beim Anhalten vor Kreuzungen, Rotlichtampeln und anderen Hindernissen wird auf Zweierkolonne aufgeschlossen und der Abstand zum Vorderfahrzeug so kurz wie möglich gehalten, um bei der Weiterfahrt als kompakter Pulk ein schnelles Starten zu ermöglichen, damit der Konvoi zusammen bleibt und zur normalen Fahrweise zurückgekehrt werden kann.
- Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Strassensignalisationen sind einzuhalten.
- Immer auf  der gleichbleibenden Strassenkategorie solange weiterfahren, bis einer von unseren Wegweisern die Richtungsänderung anzeigt.
- Ein Wegweiser verharrt auf seiner Position, bis der Schlussfahrer bei ihm angekommen ist. Der Wegweiser lässt dabei den Schlussfahrer bei sich vorbeifahren. Erst danach fährt der Wegweiser los, um seine neue Position vor dem Schlussfahrer einzunehmen.

Randbemerkung:
- Bei einer Ampel «Rot» wird gestoppt! Wenn bei der Ampel eine Richtungsänderung vorgesehen ist, steht einer von unseren Wegweisern, ansonsten geradeaus weiterfahren.
- Man überholt nicht. Die einmal eingenommene Position im Konvoi behält man mindestens bis zu einer Fahrpause bei.
 
Der Schlussfahrer
- Er hält die Gruppe zusammen und bleibt bei besonderen Vorkommnissen
(Pannen etc.) mit/bei den Betroffenen zurück und informiert den Road Captain
(z.B. via Mobiletelefon/SMS und/oder Meldefahrer, der den Konvoi bis zum Road Captain überholt). 
- Er ist verantwortlich, dass keiner zurück bleibt und hilft den Konvoi zusammen zu halten. Der Schlussfahrer trägt idealerweise eine Leuchtweste, und zwar möglichst in einer anderen Farbe als die übrigen Biker.